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STÄDTEBAULICHES LEITBILD

Wo halten wir uns gerne auf? Was zeigen wir Freunden, die uns besuchen? Wo genießen wir gerne einen Kaffee?Im Grünen! In der schönen Altstadt! In belebten Passagen, schönen Parks oder auf hohen Dächern, mit Blick über Land und in die Natur – Um nur ein paar der Orte zu nennen, die wohl jeder mit einer besonders schönen Stadt oder einem besonderen Gefühl verbindet.Der Entwurf sieht eine bunte Mischung an Dingen vor, die wir an urbanem Raum lieben – eine bunte Mischung an Typologien. Maßstäbliche Bauvolumen. Eine attraktive Dichte mit vielen Grünräumen.  Abwechslungsreiche Fassaden. Cafés, Bars, Bäcker, angesagte lokale Stores, vertikale Gärten, Start-up-Räume, Pop-up-Stores, Coworking-Spaces. Das alles kann in der pixeligen Welt des neuen Stöckachs seinen Platz finden. Eine Mischung aus neuem und altem, recyceltem, wiederverwertetem und wiederverwendetem lässt eine spannende Mischung einer „überlagerten Geschichte“ des Areals entstehen. Eine offene und weltgewandte Community soll mitten im Herzen der Stadt einen Platz finden. Gemäß einer Studie (Spacescape og Evidens. Stockholm 2011) ist die Blockrandbebauung sowohl bei ihren Bewohnern als auch energetisch, klimatisch und ökonomisch eine äußerst beliebte Lösung. Allerdings hat sie auch gewisse Schwächen, wie beispielsweise die Binnen-Belüftung oder die visuelle Abgeschiedenheit. Unser Block 2.0 wagt eine Hybridisierung aller uns bekannter Stadtbausteine. Punkthäuser, Stadthäuser, Riegel, Blöcke, Reihenhäuser und rekombiniert diese mit vertikalen Gärten und individuellen, informellen Plugins. Es entstehen grüne Höfe, die den Bewohnern Raum geben, Spuren zu hinterlassen. Die Blöcke werden so zueinander positioniert, dass eine adäquate Durchlüftung entsteht und der Blick von Block zu Block immer ins Grüne gerichtet ist. Der visuelle Kontakt verbindet die Straßen und die Höfe und lässt die Blöcke miteinander kommunizieren, durch die sich resiliente, adaptierbare und gemeinschaftliche Räume herausbilden.

URBANE MINE / Onsite-Recycling/ Nachhaltige Materialien

Die Graue Energie des Quartiers soll innovativ und intelligent genutzt werden, um eine Maximierung der Verwertungsquote zu erreichen. Dazu werden charakteristische Gebäude im Quartier weitergenutzt und in eine neue Zukunft transferiert. Addons in Leichtbauweise, eröffnen eine 5. Stadtlandschaft auf den Dächern. Noch weiter gedacht sollen die Gebäude, welche nicht vollständig genutzt werden, „behutsam“ rückgebaut werden, um die Rohstoffe sinnvoll zu nutzen. Die Verwendung nachhaltiger Materialien soll auch die Materialkreisläufe in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bauten berücksichtigen und für neue Maßstäbe sorgen. So könnte beispielsweise der alte Kunststoff, der vor Ort verbaut worden ist, bei der Herstellung neuer Fassadenschindeln wiederverwertet werden. Durch das Verschmelzen alten Glases, kann neues Glas mit neuer Optik und Haptik, aber gleicher Nutzbarkeit entstehen. Vorpatinierte Materialien, denen eine Geschichte inhärent ist, lassen eine neue Ästhetik einer kreislaufgerechten Stadt entstehen. Die markanten Klinkerfassaden finden einen Platz an den neuen Fassaden des Quartiers und leben somit an anderer Stelle weiter und tragen zur besonderen Atmosphäre des Quartiers bei. Der bestehende Beton soll ohne Transportaufwand und mit solarbetriebenen Maschinen vor Ort zu Füllmaterial umgewandelt werden, um die Fundamente und Kiesschüttungen zu ersetzen.Der Innenausbau soll katalogisiert, kategorisiert und auf Nutzbarkeit geprüft werden. Türgriffe, Leuchten, Türblätter könnten je nach Wertigkeit erneuten Einsatz finden. Andere Stoffe wie Kupfer und höherwertige Materialien können recycelt werden und im Quartier wieder Verwendung finden. Immer getragen vom Anspruch, so wenig Energie wie nötig zu verschwenden. Im besten Fall lässt sich so das gesamte Areal recyceln. Aber auch die entstehenden neu arrangierten Teile sollen so geplant und gebaut werden, dass ein kompletter Überblick über den gesamten verbauten Bestand vorhanden ist. Eine komplette BIM-Planung könnte das in einer Datenbank verwalten. Keine Baustoffe sollen so verschmutzt werden, dass sie nicht mehr einem Kreislauf zugeführt werden können. So kann eine gänzlich neue Baukultur mit einem Cradle to Cradle Ansatz auch in den folgenden Epochen etabliert werden.

MODULARE BAUWEISE & PREFABRIKATION

Ein wichtiger Baustein, bei der Schaffung neuer günstiger Wohnmodelle, ist eine rationalisierte und präzise Bauweise, die auch hinsichtlich ihrer Herstellung die Umwelt schont. Lange aufwändige Insitu-Bauzeiten und Baulärm werden vermieden. Kombiniert mit einer individuellen und attraktiven Architektur, kann so eine zukunftsweisende urbane Situation mit ressourcen- und energieschonendem nachhaltigem Ansatz entstehen. Auch bietet eine modulare Planung die Möglichkeit, Dinge flexibel zu modifizieren, zu erweitern und unterschiedlichen Lebensphasen anzupassen. Grundrisse können so gestaltet werden, dass ihnen weiterbauen und umbauen eingeschrieben wird.

AUTARKE ENERGIE/ SCHWAMMSTADT

Ein cleveres Wassermanagement soll die grüne Lunge des neuen Stöckachs versorgen. Dafür werden die vorhandenen Bunker mit ihren idealen klimatischen Bedingungen als Schwamm-Bunker umfunktioniert. Wie in einer riesigen Zisterne können dort in Behältern, in Regenzeiten Wasser gespeichert werden. Über die Dächer und die Rigolen entlang der sauberen, autofreien Erschließung wird das Regenwasser gesammelt und zum Bunker geleitet. Energetisch soll dann mit Hilfe einer solarbetriebenen Pumpe das Wasser dorthin gebracht werden, wo es gebraucht wird: Auf grüne Dächer, an grüne Fassaden, in die grünen Höfe und die begrünten Straßen. Oder auch für die Toiletten und nach nachhaltiger Aufbereitung, für die gemeinschaftlichen Waschmaschinenräume genutzt werden.Die Energieversorgung wird ganzheitlich aus dem Quartier selbst heraus gewährleistet. PV Anlagen an Fassaden und auf Dächern sorgen in Sonnenphasen für ausreichend Strom, der über das Quartier hinaus mit der Stadt geteilt wird. Windkrafträder sammeln Energie, auch wenn der Himmel bedeckt ist. Außerdem könnte die Abwärme umliegender Gebäude genutzt werden.

HOHE DIVERSITÄT/ KULTURELLE BUNTE STADT

Der Entwurf offeriert die Grundlage für ein resilientes Quartier mit einer hohen Dichte und mannigfaltigen innovativen Wohnangeboten. Microwohnungen, Clusterwohnungen, Mehrgenerationen- und Inklusionsmodelle, familiengerechtes Wohnen, mit alternativen Grundrissarrangements und zukunftsgerechten Gemeinschaftsflächen werden angeboten.Das Quartier verfügt über eine sehr hohe Dichte an unterschiedlichen Angeboten. Ein Community Garden bietet einen offenen Ort für Menschen aller Art eigenes Gemüse anzubauen oder einfach nur in einer Oase zu entschleunigen. Ein Repair-Café mit Werkstätten hilft alte Dinge zu reparieren und ins Gespräch zu kommen. Ein Bio-Unverpackt-Marktplatz bietet lokal ansässigen Geschäften die Möglichkeit, ihre Waren anzubieten. Durch eine Synergie mit einem Überschuss- Restaurant finden Produkte, die bald verfallen, auf einer dynamischen Mittagskarte ihre Verwertung. Generell soll Foodsharing, mit gemeinschaftlichen Küchen, gefördert werden. Durch den ungeplanten Freiraum, der informellen Plugins können die Bewohner, zusätzlich ihre eigenen Interessen ins Quartier einbringen. Kurzfristig kann auch auf neue Trends oder Defizite reagiert werden. Durch die Bereitstellung vieler Gemeinschaftsflächen entsteht ein buntes vielfältiges Miteinander. Der Isolation und Vereinsamung werden so entgegengewirkt.

MOBILITÄT/ AUTOFREIE STADT

Das Quartier soll eine autofreie Stadt werden. Der Individualverkehr, sofern er in der heutigen Quantität überhaupt noch vorhanden sein wird, kann von außerhalb unterirdisch zu den Gebäuden gelangen. An strategisch sinnvollen Punkten werden hierfür Zufahrten vorgesehen. Es werden zudem E-Carsharing Angebote und alternative Fortbewegungsmittel wie E-Bikes, E-Scooter, E-Boards an den wichtigen Schnittstellen zur Verfügung gestellt. Innerhalb des Quartiers dominieren die Fußgänger. Ein ausgeklügeltes System an Fahrrad-Shortcuts soll zudem eine schnelle Bewegung durch das Areal ermöglichen.Der Heilandplatz wird so umgestaltet, dass er der Kirche angegliedert einen adäquaten Vorplatz bietet. Der Kreisverkehr wird dabei aufgehoben. Es entsteht eine Vorfahrtsstraßen-Situation. Durch die visuelle Angliederung an das Olga-Krankenhaus und das neue Stöckachquartier wird eine fußgängergerechte Parklandschaft erzeugt. Belagswechsel signalisieren dabei dem Verkehr den Vorrang der Fußgänger.

INDIVIDUELLE / INFORMELLE PLUGINS

Gestapelte Lauben, Gewächshäuser, Community Treffs, Cafés, Stadtteilbibliotheken, E-Bike Tower, Ferienboxen, Feierboxen, Gästeboxen, Repair-Cafés, …  Durch eine informelle/ zuschaltbare Komponente wird jeder Block durch seine Bewohner einzigartig – Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Durch eine modulare Fertigung können diese Module wie Upgrades dazu gekauft oder gemietet werden. So kann auch auf zukünftigen Lebenswandel/-modelle flexibel reagiert werden.

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